Was ist das Brenizer-Verfahren (Bokeh-Panorama)?
Normalerweise stellt uns die Optik vor ein physikalisches Dilemma: Möchte man ein Motiv freistellen und einen traumhaft verschwommenen Hintergrund (Bokeh) erzielen, greift man zu einer langen Brennweite und geht nah an das Motiv heran. Der Bildausschnitt wird dadurch jedoch sehr eng. Möchte man hingegen Raum, Hintergrund und Umgebung zeigen, braucht man ein Weitwinkelobjektiv – verliert dabei aber fast den gesamten Unschärfe-Effekt.
Die Lösung: Ein Mosaik aus Schärfe und Raum
Beim Brenizer-Verfahren (oft auch als Bokeh-Panorama bezeichnet) kombiniere ich das Beste aus beiden Welten. Anstatt ein einzelnes Weitwinkel-Foto zu machen, nehme ich ein lichtstarkes Tele-Objektiv und passe das Motiv mit offener Blende extrem nah ab. Anschließend fotografiere ich die gesamte Umgebung in vielen einzelnen, überlappenden Einzelbildern ab – wie ein Puzzlemuster.
Zuhause am Rechner werden diese Dutzenden Aufnahmen zu einem einzigen, gigantischen Panorama zusammengesetzt.




Das Einzelbild ist das Ergebnis mit einem 55mm Objektiv und Blende f2,8 – für das gesamte Panorama wurden 67 Einzelbilder zusammengesetzt.
Warum mich diese Methode so begeistert
- Der „Mittelformat-Look“: Es entsteht ein Seheindruck, der mit einer normalen Kamera in einer einzigen Aufnahme optisch unmöglich ist. Das Hauptmotiv hebt sich plastisch ab, während die Umgebung weit und offen wirkt.
- Unglaubliche Detailtiefe: Weil das Endbild aus vielen hochauflösenden Einzelaufnahmen besteht, entstehen oft Dateien mit mehreren Hundert Megapixeln. Die Schärfe und Tiefe sind beeindruckend.
- Der Reiz der Freihand-Fotografie: Obwohl viele behaupten, für diese Methode brauche man zwingend ein Stativ, passe ich meine Panoramamuster ausschließlich frei aus der Hand an. Das erfordert Konzentration, Fingerspitzengefühl und eine ruhige Hand – gibt mir im Prozess aber die absolute Freiheit, mich spontan im Raum zu bewegen und den Moment einzufangen.
- Jedes Bild ein Experiment: Meine Kamera gibt die Bilder im Rohformat, aber auch in .jpg aus. Für den ersten Eindruck verkleinere ich die .jpg Dateien automatisiert und setze sie dann testweise zum Panorama zusammen – da kommt dann die Erkenntnis, ob es sich lohnt jedes einzelne Roh-Foto zu bearbeiten oder ob ich einen Rasterpunkt übersprungen habe und ein weißes Viereck, wie ein klaffende Wunde mitten im Bild zu sehen ist.
- Die Bildidee, die Planung und die Ruhe: Ich sehe ein Motiv und denke mir, das hat potenzial – ich setze meine Brille ab und habe in etwa die Unschärfe, wie bei Blende f 1,2 ich setze sie wieder auf und sehe da Hauptmotiv scharf. Und dann gehts los. Freihand. Zuhause angekommen, habe ich wieder die alte analoge Hoffnung und Spannung ob das Bild was geworden ist.
Kurz gesagt: Es ist Fotografie die mir ermöglicht einen Look zu erschaffen, der mich beruhigt.
Am 28.08.2026 beginnt um 20:00 Uhr die Vernissage in der Stadt- und Kreisbibliothek Greiz, die im Rahmen der Greizer Kulturnacht stattfindet. Dort beteilige ich mich an der Ausstellung „die Welt mit anderen Augen sehen“ und stelle sieben solcher Panoramen aus.
